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Völker und Kulturen der Welt
Die Megalith-Kultur

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Als Megalith-Kultur werden eine Reihe europäischer Kulturen von der Jungsteinzeit bis zur Eisenzeit zusammengefasst. Diese an sich nicht fortsetzend existierenden und kulturell oft unabhängigen Völker hatten eines gemeinsam: Sie pflegten eine besondere Bestattungsform, indem sie Dolmen oder Megalithgräber aus Stein bauten. Zu ihnen gehören die Hünengräber im Nordkreis, der zeitlich um 4000 - 2000 v.Chr. einzuordnen ist und Norddeutschland, Skandinavien, die Niederlande und Polen umfasste. An Steinen für den Aufbau wurden oft noch Ablagerungen der Eiszeit benutzt, die anschließend von den Arbeitern bearbeitet und richtig positioniert wurden. Aber auch weiches Sedimentgestein diente dem Zweck, Steingräber zu errichten. Über 900 Megalithgräber befinden sich in Deutschland hauptsächlich in den Küstenländern, Dänemark besitzt über 2000 und Schweden mehr als 450. Etliche Megalithanlagen existieren außerhalb Europas noch in der Türkei, Georgien, Südrussland, Palästina, Indien, Vietnam, Laos und Kambodscha, ebenso wie in Indonesien und Afrika.

Da es die Megalith-Kultur nur in Europa und vereinzelt rund um den Mittelmeerraum gab, entstanden außereuropäische Steingräber mit Sicherheit unabhängig von jeglichen Berührungspunkten. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass einige Gruppen umherwanderten und Gebräuche und Riten in ferne Regionen mitbrachten. Wie man feststellte, gab es auch innerhalb Europas teilweise nur wenige Verbindungen. Kulturen waren räumlich begrenzt und Entwicklungen kamen zeitverschoben zustande. Am Beispiel der Megalith-Kultur sieht man, dass diese nur in Westeuropa und bis auf wenige Ausnahmen nicht in Osteuropa und in Russland angesiedelt war. Kontakte knüpfte man, wenn der Bedarf da war.

So stammen bisher bekannte Megalithen in Frankreich aus einer Zeit um 4500 v.Chr., während sie in Deutschland und auf der Iberischen Halbinsel etwa 500 Jahre jünger sind. Die ersten könnten schon um 9000 v.Chr. in Palästina entstanden sein, die letzten um 500 v.Chr. in Sardinien, bzw. um 200 v.Chr. in Irland und England. Die Datierung von Steinanlagen ist mitunter schwierig und Angaben driften weit auseinander. Mit Beginn der Christianisierung sagte man, das Entstehen der Megalithen müsse durch Teufels Hand vonstatten gegangen sein und zerstörte sie bis in das Mittelalter hinein. So sind in Dänemark 3/5 der ursprünglichen 5000 Megalithen für immer verschwunden.

Durch den Straßen- und Häuserbau bis zur Neuzeit fielen die meisten Megalithen dem modernen Menschen zum Opfer. Erst im 18. und 19.Jahrhundert begannen Wissenschaftler, sich für die Grabanlagen zu interessieren. Man glaubte, die Megalithen wären das Heiligtum von Keltendruiden gewesen. Heute weiß man, dass sie noch viel älter sind und ihre Entstehung bis weit in die Jungsteinzeit zurückreicht.

Nicht nur im Zweistromland, sondern wahrscheinlich auch auf dem Balkan entstanden nach 4000 v.Chr. größere Siedlungen und regelrechte Städte. Bereits die Menschen der Vinca-Kultur pflegten ihre Behausungen auf Erhöhungen mit Grabenwerken zu bauen. Noch weiß man recht wenig über die Stadtkultur in der Vorzeit, aber neuere Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Europäer doch nicht so gering entwickelt waren, wie man bis vor kurzem annahm. Sicherlich bestanden lose Kontakte zwischen den Kulturen, und Gebräuche und Riten wurden weitergegeben und pflanzten sich zwischen Nachbarvölkern immer weiter fort. So gab es zwar vorsintflutliche und rückständige Menschen, aber eben auch hoch entwickelte und gebildete. Die Zeit des Jagen und Sammelns war für die Megalith-Kultur Europas vorbei.

Sie lebten in Gruppen in festen Behausungen und teilten sich Aufgaben, um die Gemeinschaft zu unterstützen. Typisch für sie ist der Abbau von Metallen und die Anfertigung von Alltagsgegenständen aus diesen. Schon vor 3000 v.Chr. wurde Gold, Silber und Kupfererz gewonnen, weshalb man diese Zeit auch die Kupferzeit nennt. Der älteste bekannte Kupferabbau fand im 8. Jahrtausend v.Chr. in Anatolien statt.

Die Menschen kannten Metallbearbeitung und Gusstechniken. Sie waren geschickt in der Herstellung von Töpferwaren und fertigten neben Keramiktöpfen, -urnen und -tassen auch Figuren aus Ton an, denen sie Körperformen und Gesichter gaben. Vinca-Figuren sind teils über 7000 Jahre alt und gelten als ein bekanntes Beispiel. Weil es aus Europa keine Schriftdarstellungen dieser Zeit gibt, kann man nur aus der Fundumgebung auf den Verwendungszweck schließen. Bei manchen Figuren sind die Geschlechtsmerkmale besonders betont, was den Schluss auf eine rituelle Verwendung zulässt. Keramik wurde hergestellt, um sie zu benutzen, und auch gerne mit ins Grab gegeben. Wahrscheinlich dachten die Menschen, dass ihre Verstorbenen die Gegenstände auf ihrer Reise benötigten.

Die großen Grabkammern boten Platz für viele Generationen. Aber auch mächtige Personen dieser Zeit, ähnlich einem Fürst, ließen sich so bestatten. Wie die ungeheure Leistung vollbracht wurde, die Steine aufzustellen, ist bis heute ein Rätsel. Die Gräber konnten nur dort entstehen, wo die Möglichkeit des Abbaus der Steine gegeben war. Auf Holzrollen und mit Hilfe vieler Arbeiter könnte solch ein Projekt abgelaufen sein.

Die Menschen des Mittelalters, die auf Megalithanlagen trafen, glaubten zunächst an Riesen, die sie aufgestellt haben mussten. So gaben sie den Megalithen den Namen "Hünenstein". Hüne ist ein älterer Begriff für Riese. Ein Verständnisfehler führte dazu, dass daraus "Hühnerstein" wurde. Im süddeutschen Sprachgebrauch nannte man das Huhn ein "Hinkel", und so kam das Wort "Hinkelstein" zustande.

Mit großen Findlingen, die oft noch aus der Eiszeit stammten, wurden große, begehbare Kammern gebaut, in denen entfleischte Knochen und Beigaben deponiert wurden. Sie dienten vermutlich einer ganzen Siedlung oder Region als Grabkammer. Nach einigen Generationen wurde dann das Grabmal verschlossen und mit Erde bedeckt. Diese Tradition setzte sich offenbar lange fort, denn auch bei den wesentlich später vorkommenden Kelten legte man Grabhügel an. Manche Funde lassen auch annehmen, dass Grabkammern aus Holz bestanden.

Steinkreise auf den Britischen Inseln, aber auch Steinreihen in Frankreich verweisen auf eine weiter ausgerichtete Kultur. "Menhire" ist eine weitere, ursprünglich bretonische Bezeichung für den aufgerichteten, großen Stein bzw. Megalith. Sein Vorkommen dürfte erstmals in der Bronzezeit liegen und ist über ganz Europa bis nach Kleinasien (Göbekli Tepe) gestreut. Fernab vom Nordkreis gibt es im deutschsprachigen Raum noch Megalithen im südlichen Baden-Württemberg und der angrenzenden Schweiz. Die Entstehung der hier befindlichen Gräber hängt eng mit den in Frankreich vorgefundenen zusammen. Im sonstigen süddeutschen Raum sind so gut wie keine Megalithen bekannt. Möglicherweise wurden sie früher komplett abgetragen, oder es herrschte schlicht ein anderer Kulturkreis vor.

In der Bretagne und auf den Britischen Inseln sind kultische Zwecke der Megalithen denkbar. So wie im Falle von Stonehenge deutet man die Orte als Sternwarte, für die Rituale der technisch immer weiter entwickelten Menschen der Metallzeit.

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